Direkt-Aufruf :
Bondage/Trost/Enthusiasmus

Vielleicht würde sich der folgende Beitrag eher für einen Blog eignen, aber ich stelle ihn trotzdem mal hier rein ...

seit vielen Jahren ist Bondage so ziemlich die einzige Konstante in meinem emotionalen Leben. Das war schon lange so, bevor ich es zum ersten mal praktizieren konnte - mit einem Klassenkollegen. Ich weiß nicht, warum und wie und auch nicht einmal wann das alles angefangen hat, aber es begleitet mich (fast) seit ich denken kann.

Um nicht falsch verstanden zu werden: es macht mein Leben nicht aus, dieses ist vielfältig was die Interessen, Beschäftigungen etc. angeht. Ich gehöre auch keiner wie immer gearteten Szene an.Trotzdem: Wenn es mir nicht gut geht stellt Bondage so ziemlich das einzige dar, was in all den Jahren konstant da war. Fast jederzeit konnte ich (als Kunsthistoriker, wohlgemerkt) mich für die Ästhetik gefesselter Frauen begeistern, wo sonst nichts mehr war. Fast immer konnten mich damit verbundene Gedanken abfangen, ja trösten. Wo alles andere oft schal wird, schnell langweilt - selbst eine Nebensächlichkeit wie das Verhältnis von der Hautfarbe einer Frau zu Farbe und Material der Fesslung könnte mich zu Vorträgen animieren (wenn mir denn dann einer zuhören würde).

Daneben habe ich für jede denkbare Art von SM-Lifestyle ganz und gar nichts übrig, fand mich darin nicht wieder. Als ich vor nun auch schon fast vielen Jahren übers Internet begann, die BDSM-Welt besser kennen zu lernen, fand ich so manches US-amerikanischer Herkunft, das mich ansprach: Love Bondage ... TUG's ... Bondage pure and simple ... DiD-Situationen in Film und Fernsehen ... kindisch? Ich weiß nicht ... Kindheitserinnerungen, vielleicht. Was gab es damals anders, als irgendwelche Krimiserien, um eine gefesselte Frau zu sehen? Man sah noch nicht einmal nackte Beine auf der Straße!

Was ich davon ausgehend fragen wollte (um einen Forumsbeitrag zu rechtfertigen):gibt es hier irgendjemand, der das nachvollziehen kann? Bondage, ganz ohne Lack und Leder, und ohne s** ...oder bin ich einfach doch der Sonderling, als der ich mich mein Leben lang fühlte? (Falls dem so wäre: Immer gern ...)
4 Kommentare & Antworten
niandra: #Bondage, ganz ohne #Lack und #Leder, und ohne s** ...
#Lack und #Leder sind genauswenig jedermanns sache. und nicht immer ist kopulation teil von bd / ds / sm.

wozu auch?mensch hat doch hirn. und s** findet bekanntermaßen dort statt. und wenn man sich am ende völlig damit zufrieden geben kann, sich aus tiefsten herzen zu freuen, sei es an einem ästhetisch anblick oder einem demütig gesenktem blick.

das spielfeld ist seeeeeeeeeeeeeeehr groß. du bist nicht allein

nia
Auster1981: Niemand ist alleine. Deine Gedanken kann ich strukturell nachvollziehen, ich erkenne einiges von mir selbst darin wieder.

Ich fessle und schlage gerne Männer, sehe sie gerne nackt und auf Knien vor mir, aber habe dabei kein Interesse an s**uellen Handlungen. Der ganze "SM-Lifestyle" (an dieser Stelle kann man sich über die Definition desselben streiten, weil das im Endeffekt auch wieder für jeden was anderes ist...) geht auch eher spurlos an mir vorüber. Ich habe keine #Lust mich in eine Lackcorsage zu schnüren, mich in irgendwelche Latexoutfits zu quetschen oder mich sonstwie aufzumascherln damit ich möglichst "domsig" rüberkomme. #Leder verbinde ich in erster Linie mit normaler, straßentauglicher Kleidung, und ansonsten schätze ich es als haltbares Fesselmaterial.

Bei mir ist die Neigung allerdings keine richtig Konstante wie bei dir, ich hab mich auch einige Zeit kaum damt beschäftigt - sie ist aber doch immer latent vorhanden, zb kann ich mich auch in jeder Lebenssituation für die Ästhetik aller Arten von Fesselungen begeistern. In der Jugend war das bei mir auch der Hauptgrund Krimis oder Fantasyfilme zu schauen, weil man da häufig gefesselte Personen zu Sehen bekommen konnte.

Irgendwie fühlen wir uns doch alle als Sonderlinge, und sind dann auf einmal doch wieder überrascht dass es doch Leute gibt die ähnlich schräg denken wie man selbst. Aber egal ob du mit deiner Neigung "alleine" bist, oder es tausende gibt die genauso denken wie du - das wichtigste ist dass es sich für dich richtig anfühlt. Wenn du das gefunden hast was dir gefällt, was deinen Neigungen am besten entspricht, und du es auch genau so ausleben kannst und tust - dann brauchst du nicht darüber nachzudenken ob du ein "Sonderling" bist, denn dann bist du einer von den wenigen Leuten die mit sich selbst im Reinen sind. Und das ist mit das Höchste das man Erreichen kann.

Was mich aber gerade dennoch interessiert, weil es für mich gerade aus dem Beitrag nicht so ersichtlich ist (mein Denkapparat funktioniert etwas langsam aufgrund von Schlafdefizit): Bezieht sich dein Interesse an der Ästhetik der Fesselungen rein auf das Betrachten/Beobachten, oder legst du auch selbst Hand an?
Katenanto: Vielen Dank für Eure Antworten

Auster: Ja, das klingt wirklich ganz ähnlich, auch das mit den Krimis/Fantasyfilmen. Deine Frage ist sehr gut, nix von Schlafdefizit ... mal sehen, ob ich sie beantworten kann, ist nämlich nicht ganz so leicht.Mein Interesse bezieht sich wohl vor allem auf die Ästhetik. Auch auf die Neugier, die Nervosität, die Freude etc. die man spüren kann bei jemanden, der es zum ersten mal erlebt, das Vertrauen, das sich darin ausdrückt, auf die Planung und die Erforschung der Materialien und die "Durchführung" - aber nach dem #Fesseln möchte ich eigentlich am liebsten nur zusehen ... Ich integriere es schon in meine Beziehungen wenn möglich, kann aber auch beides unabhängig voneinander genießen.
Auster1981: Naja, auf andere Weise konnte man ja vor so 15 Jahren rum kaum halbwegs unauffällig dazu kommen gefesselte Personen zu betrachten. Da war das Internet vor allem in ländlichen Gegenden auch noch nicht so ausgebaut, da musste man schon andere Lösungsansätze finden. Und Filme/Serien waren da eigentlich das einfachste und unauffälligste, nicht wahr?

Ah, also bist du auch selbst als Fesselkünstler #aktiv, und bist nicht nur Zuseher sondern sorgst also selbst für die Anblicke die du dann genießen kannst. Darauf wollte ich ja auch hinaus, ob es dir nur um das Endergebnis geht, oder auch um den Weg dahin. Ist es auch so ein wenig dieses Gefühl von Macht, wenn sich jemand dir auf diese Weise quasi ausliefert? Für mich ist das zumindest ein wichtiger Teil davon, das Wissen darum dass sich mir jemand so hingibt, mir so vertraut dass ich ihn in eine Situation bringen kann in der er so #wehrlos ist. Dabei tritt für mich dann meistens die Ästhetik der Fesselung an sich ein wenig in den Hintergrund, weil ich es in erster Linie genieße die #wehrlosigkeit zu sehen und die mitunter unangenehme Position in die ich den Körper durch die #Fesseln zwinge. Aber an dem Punkt geht es mir gleich wie dir, ist das Werk getan (häufig gibt es vor oder nach dem #Fesseln noch Schläge bis man entsprechende Spuren sieht) möchte ich am liebsten nur noch zusehen. Da muss mein Partner dann durch, dass er gefesselt und weichgeklopft noch einige Zeit von mir angestarrt wird.Wenn du das natürlich in deine Beziehungen auch noch einbinden kannst, ist es umso besser Das macht vieles einfacher.

Wie kommst du eigentlich gewöhnlich an deine Modelle? Und eine Frage brennt mir auch noch unter den Nägeln, nämlich welche Materialien du verwendest. Nur Seile, oder auch anderes?